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„Andra moi ennepe, Mousa…“

Ein außergewöhnlicher Schultag führte knapp fünfzig Lateinschülerinnen und Lateinschüler unserer Schule gemeinsam mit drei Lehrkräften in das Cinema Arthouse Osnabrück, um Christopher Nolans monumentale Verfilmung „Die Odyssee“ auf der Kinoleinwand zu erleben. Knapp drei Stunden lang tauchte die Gruppe gemeinsam in die Welt des antiken Epos ein, wobei die Jugendlichen der dichten Inszenierung über die gesamte Spielzeit hinweg mit bemerkenswerter Ausdauer und Konzentration folgten.

Odysseus auf der großen Leinwand

Die Vorfreude im Foyer des Kinos wich im Saal rasch einer gespannten Stille, als die ersten Bilder von Nolans Epos über die Leinwand zogen. Über die volle Distanz von 172 Minuten hinweg bewiesen alle Schülerinnen und Schüler ein vorbildliches Benehmen und verfolgten das Geschehen mit spürbarer Faszination. Für die Jugendlichen der Jahrgangsstufen 10-13 war es ein beeindruckendes Erlebnis, die sonst primär über Texte erschlossenen Figuren in monumentalen Bildern und orchestralen Klangwelten zum Leben erweckt zu sehen.

Christopher Nolans Interpretation antiker Mythen

Aus altertumswissenschaftlicher Sicht bot der Film faszinierende Perspektiven auf den homerischen Stoff, da der Regisseur die literarische Vorlage nicht als bloßes Abenteuerkino adaptiert, sondern die Konstruktion des Mythos selbst hinterfragt. Statt einer unkritischen Heldenverehrung steht die existenzielle Erschütterung des Menschen im Mittelpunkt: Odysseus wird als zutiefst traumatisierter, von Schuld geplagter Heimkehrer gezeichnet, dessen Irrfahrten die fatale, kriegerische Natur des Menschen und deren destruktive Folgen bis in unsere Gegenwart spiegeln. Nolan nutzt geschickt Motive der antiken Aitiologie sowie verschachtelte Zeitebenen, um Fragen nach Identität, Wahrheit und der Verlässlichkeit menschlicher Erinnerung aufzuwerfen.

Reichhaltiges Futter für den Fachunterricht

Für unseren Latein- und Geschichtsunterricht liefert dieses Werk unzählige ertragreiche Andockpunkte, die wir in den kommenden Wochen intensiv aufgreifen werden. Die Schülerinnen und Schüler können nun Gattungsmuster des Epos, literaturwissenschaftliche Erzähltechniken und philosophische Fragestellungen unmittelbar an konkreten Filmszenen reflektieren. Das Spektrum reicht dabei vom Vergleich mit den Lektionstexten der Lehrbücher bis hin zur Gegenüberstellung mit Vergils Aeneis in den älteren Kursen. Um der enormen visuellen und gedanklichen Dichte des Films ganz gerecht zu werden, bedarf es auf Seiten des Autors dieses Textes sicherlich noch ein bis zwei weiterer Kinobesuche, bevor ein abschließendes Urteil über diese gewaltige Auslegung gefällt werden kann.

Danksagungen

Ein solcher Fachtag lebt vom Zusammenwirken vieler helfender Hände, weshalb wir der gesamten Schulgemeinschaft für die tatkräftige Unterstützung danken möchten. Unser herzlicher Dank gilt den begleitenden Lehrkräften für ihren engagierten Einsatz sowie dem gesamten Kollegium für das entgegengebrachte Verständnis hinsichtlich der unvermeidlichen Unterrichtsbeeinträchtigung. Nicht zuletzt danken wir dem Team des Cinema Arthouse Osnabrück für den freundlichen Empfang und die wunderbare Gastfreundschaft, die diese Exkursion zu einem rundum gelungenen Gemeinschaftserlebnis gemacht haben.

Thomas Allewelt

Kontakt

Gymnasium "In der Wüste"

Kromschröderstraße 33
49080 Osnabrück

Tel.: (0541) 323-85000

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