Einblicke ins wissenschaftliche Arbeiten an der Universität Osnabrück - Besuch des Workshops „Rom geht aus. Das Gelage als soziales Ereignis im satirisch-kritischen Blick der römischen Literatur“
„Da ich zum Essen eingeladen werde, seit ich kein käuflicher Klient mehr bin wie früher, warum setzt man mir dann nicht das gleiche Essen vor wie dir?“ (Martial, 3,60, V. 1f., übers von Barié/Schindler 1999)
Am Dienstag, dem 17.2., machte sich der Latein-Kurs des 11. Jahrgangs auf den Weg zum Zimeliensaal der Universität Osnabrück. Dort nahmen die Schülerinnen und Schüler an einem Workshop zur politischen und gesellschaftlichen Bedeutung des convivium in Rom teil, den Prof. Dr. Meike Rühl und Studiendekanin Roswitha Papenhausen leiteten. Das Festessen, das die dünn besetzte Oberschicht in Rom veranstaltete und zu dem bedeutende Gäste eingeladen wurden, sollte die Machtstellung und das Ansehen der Gastgeber sichern. Dazu setzten diese bestimmte Strategien ein, zu denen nicht nur das dargebotene Geschirr und die ausgewählten Speisen, sondern auch die Anlage des Hauses, die Anzahl und Größe der Speiseräume oder der den Gästen zugewiesene Platz beim Abendessen zählte.
Der Workshop gliederte sich in drei Teile: Zunächst erhielten die Schülerinnen und Schüler in einem anschaulichen Vortrag Hintergrundwissen, um die Bedeutung des convivium verstehen zu können. Danach beschäftigten sie sich mit mehreren Epigrammen Martials und seinem satirischen Blick auf dieses gesellschaftliche Ereignis, wobei der römische Dichter mal den - wahrscheinlich fiktiven - Gastgeber, mal den Gast selbst in seinem Verhalten kritisierte. Zum Schluss vertieften die Schülerinnen und Schüler ihr Wissen über die Textsorte und erhielten weitere Informationen über die Herkunft, den Aufbau sowie die Funktion der Epigramme in der literarischen Kommunikation. Auch die Unterschiede zwischen der damaligen und heutigen Kommunikationssituation wurden ihnen bewusst. Insgesamt gewannen die Schülerinnen und Schüler in dieser sehr gelungenen Veranstaltung sowohl Erkenntnisse bezüglich der römischen Dichtung und ihrer Bedeutung als auch Einblicke in die wissenschaftliche Arbeitsweise und der Beschäftigung mit Literatur an der Universität.
Dr. Bettina Heck
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