Theaterunterricht während der Coronazeit am Gymnaisum „In der Wüste“

„Wir spielen jetzt das ABC Spiel – ja? Habt Ihr mich alle verstanden?“ – Vereinzelt wird ein „Ja“ gemurmelt, teilweise sehen mich ratlose Gesichter per Videochat an. Nein, so hatte ich mir das nicht vorgestellt mit dem digitalen Theaterunterricht. Hatte lange mit Kollegen des Improvisationstheater diskutiert, wie Theaterspielen mit den Schüler/ innen online möglich ist, hatte reine Sprech- und Pantomimiespiele rausgesucht und mit der Kamera erprobt. Und dann klappte es nicht – teilweise waren die Verbindungen schlecht, der Server brach zusammen oder alles war so zeitverzögert, dass kein „Flow“ im Spiel entstand.

Mit Hilfe der digitalen Möglichkeiten konnte das gemeinsame Theaterspielen kaum umgesetzt werden. Der direkte Kontakt miteinander fehlte. Doch wie sollte das in Zeiten von Abstands- und Hygieneregeln klappen? Zeichnet sich doch gerade das Fach Darstellendes Spiel dadurch aus, dass es ganzheitlich unterrichtet wird, dass Körperkontakt mit anderen Mitschülern stattfindet, Gruppendynamische Prozesse angestoßen werden und die eigene Kreativität im gemeinsamen Spielen weiterentwickelt wird. Selbst wenn man sich theoretisch mit Stücken und deren Inszenierung beschäftigt, ein Theaterstück ist doch dafür geschrieben worden, dass es gespielt und nach Möglichkeit aufgeführt wird.

Nach der Rückkehr des Jahrgangs 12 gab es nur die eine Option: Raus aus dem Klassenraum, rauf auf die Aulabühne - und zwar mit Abstand. Zettel auf dem Boden markieren die Positionen, auf die sich die Schüler/ innen stellen dürfen. Von Gruppenszenen und Übungen wird Abstand genommen – Dialoge werden auf Distanz gespielt, Monologe und Pantomime treten in den Fokus. Durch die Komprimierung der Kurse kann stärker mit dem einzelnen Schüler/ der einzelnen Schülerin gearbeitet werden. Andere Schüler/ innen können sich per Videokonferenz dazuschalten und zugucken.

Es entsteht tatsächlich ein neuer Reiz, eine neue Lesart und Interpretationsmöglichkeit: Was passiert mit der Figur, die ich spiele, wenn sie sich vom anderen wegbewegen muss, wenn diese auf mich zukommt? Oder anders herum: Wie ändert sich der Status meiner Rolle dadurch, wenn die anderen ausweichen müssen? Und doch fehlt so viel – die Fang- und Laufspiele als Warm up zu Beginn der Stunde, das Abklatschen nach einer gelungenen Szene, das Spiel mit Nähe und Distanz, Sprech- und Singübungen im Kreis, das Abschlussritual, an dem sich alle an die Hände fassen, Berührungen als Elemente der Inszenierung und natürlich die Aufführungen vor Publikum.

Auch wenn wir glücklich sind, dass Darstellendes Spiel unterrichtet werden darf, freuen wir uns doch alle sehr darauf, wenn wir wieder ohne Masken- und Abstandspflicht spielen und unterrichten dürfen. Unsere Schauspieler/ innen in den AGs warten darauf, dass es richtig losgeht und sie ihre Kreativität ausleben dürfen. Drücken wir die Daumen, dass es nach den Sommerferien klappen wird: Toi – toi – toi

Doerthe Blömer