Es war ein nicht immer ganz einfaches Experiment – zwölf Probanden aus Osnabrück haben an einem vierwöchigen Selbstversuch zu nachhaltiger Ernährung teilgenommen. Die Ergebnisse sind vor allem in einer Hinsicht aufschlussreich. „Nachhaltige Ernährung in und um Osnabrück – Novel Food versus Old Food“ hieß ein auf drei Jahre angelegtes Forschungsprojekt der Universität Osnabrück in Kooperation mit dem Schülerlabor „Explain-OS“ sowie dem Ratsgymnasium und dem Gymnasium „In der Wüste“.

Den Abschluss bildete der vierwöchige Selbstversuch, in dem zwei Lehrer, eine Mitarbeiterin der Universität und neun Schüler Handlungsempfehlungen des Ökotrophologen Karl von Koerber folgten. Die einzelnen Empfehlungen reichen von „ökologisch erzeugten“, „regionalen und saisonalen“ sowie „fair gehandelten“ Lebensmitteln über die Bevorzugung von „gering verarbeiteten“ oder „pflanzlichen“ Lebensmitteln bis hin zum „ressourcenschonenden Haushalten“. Unter diesen Vorgaben konnten die Probanden frei wählen und sie auch kombinieren. Bedingung war, dass sie ihren bisherigen Lebensstil in Bezug auf Nachhaltigkeit verstärkten. Jemand, der sich etwa bereits vegetarisch ernährte, musste also mindestens eine weitere Komponente hinzufügen. Geleitet wurde die Studie von Doktor Florian Fiebelkorn und seiner wissenschaftlichen Mitarbeiterin Elena Folsche von der Abteilung für Biologiedidaktik der Universität Osnabrück. Folsche nahm auch selbst an der Studie teil.

Herkunft oft ungewiss, teures Biofleisch

Auf den ersten Blick sind die Erfahrungen der Probanden wenig überraschend. Folsche etwa verzichtete im Rahmen einer biologischen Ernährung gänzlich auf Fleisch, weil ihr Fleisch als Bioprodukt zu teuer war. Ob Biokäse, Milchalternative oder verpackungsfreie Produkte: Die Kosten spielten erwartungsgemäß auch bei anderen Probanden eine Rolle – mit Ausnahme derer, die sich „nur“ vegetarisch ernährten. So stellte der Lehrer Gunnar Söhlke, dessen ganze Familie gemeinsam mit ihm auf Fleisch verzichtete, keinen Unterschied in den Kosten fest.

Das Einkaufen für eine vegane Ernährung fiel Hannah Pötter vom Gymnasium „In der Wüste“ relativ leicht, „weil es ja mittlerweile in vielen Supermärkten, auch Biomärkten, Produkte für Veganerinnen und Veganer gibt.“ Schwieriger war für sie, diese Ernährung in ihrem familiären Umfeld umzusetzen, also „so zu kochen, dass es für einen passt und trotzdem keinen anderen ausschließt“.

Sven Laumann vom Ratsgymnasium wiederum fand es recht einfach, saisonale Lebensmittel zu verwenden, vielleicht auch, weil der Selbstversuch in die Erntezeit fiel. Probleme hatte er jedoch oft damit, die Herkunft von Produkten zu erfahren, weil auf der Verpackung nur eine Zentralstelle angegeben war. Auch sei es sehr zeitaufwendig, immer die QR-Codes von Produkten einzuscannen. Eine positive Ausnahme: „Bei Fleischprodukten war es einfacher darauf zu achten, wo sie herkamen, weil sie viel genauer beschriftet sind.“ Und an der Fleischtheke bekomme man genau Auskunft darüber, von welchem Schlachter die Produkte stammen.

Plastikfrei einkaufen – eine Utopie?

Einer besonderen Herausforderung stellte sich Philipp Kasten mit der Vermeidung von Kunststoffverpackungen, auch über Lebensmittel hinaus. Dazu wappnete er sich beim Einkauf mit Tupperdosen für die Bedientheke und Stoffnetzen für Obst und Gemüse. Aber weil 95 Prozent der Produkte im regulären Supermarkt in Plastik verpackt seien, sei der Selbstversuch zu Anfang sehr anstrengend gewesen, schrieb der Ratsgymnasiast in seinem Abschlussbericht. Einfacher sei es geworden, nachdem er sich erst einmal orientiert hatte. Ein plastikfreier Supermarkt bot ihm zwar eine Alternative – dabei handelte es sich um den Unverpackt-Laden Tara –, mache sich jedoch „finanziell bemerkbar“ und dort gebe es auch nicht alles. Sein Fazit: Eine plastikfreie Lebensweise sei derzeit „utopisch“ und nur mit einem „sehr minimalistischen Lebensstil“ und großen Einbußen an Lebensqualität möglich.

Projekt mit vielfachem Nutzen

Ein Ziel des gesamten Projektes war es, Schüler an die wissenschaftliche Forschung heranzuführen und ihnen Einblicke ins Studium zu geben. Fiebelkorn betonte im Gespräch mit unserer Redaktion, dass die Schüler unter erheblichem Zeitaufwand „ernstzunehmende, richtige Forschung“ betrieben hätten, die nun tatsächlich wissenschaftlich verwertet werde.

Genau das begeisterte die Schüler Hannah Pötter und Sven Laumann. Pötter fand es „super cool, mal ein Teil davon zu sein“. Laumann sagte, es habe ihm persönlich viel gebracht und einen „Riesenspaß“ gemacht. Publiziert wurden die Ergebnisse des Selbstversuchs kürzlich im „LeLa Magazin“, der Verbandszeitschrift der Schülerlabore. Gleichzeitig wurde den Schülern so Wissen zum Thema Nachhaltigkeit vermittelt. Und nicht zuletzt sollen die Ergebnisse des Projektes, das auch eine große Umfrage unter Osnabrückern umfasste, der Stadt Osnabrück und ihren Bewohnern zugutekommen.

Experiment mit Wirkung

Die wichtigsten Tipps der Probanden für Menschen, die sich nachhaltig ernähren wollen: Einkauf auf Märkten und in Hofläden, Abstimmung mit dem Umfeld und vor allem eine gute Planung. Gymnasiallehrer Söhlke bilanzierte, „dass zumindest einige Dinge im Alltag schnell und relativ einfach umzusetzen sind“. Wolle man den Handlungsempfehlungen insgesamt folgen, werde es allerdings „ganz, ganz schwierig“. Er selbst wolle in Zukunft mit seiner Familie weniger Fleisch essen.

Und das ist vielleicht das bemerkenswerteste Resultat: Dass der Versuch auch über das Projekt hinaus zu einem veränderten Verhalten der Probanden geführt hat. Die Erfahrung hielt sich also im Bewusstsein und führte dazu, dass sie sich weiterhin nachhaltiger ernähren als zuvor. Ein nachhaltiger Effekt sozusagen.

Text: Bettina Mundt
Foto: Biologiedidaktik Universität Osnabrück/Fiebelkorn

Quelle: https://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/2192403/studie-zu-nachhaltiger-ernaehrung-osnabruecker-universitaet-und-schulen-kooperieren-bei-selbstversuch