Die Idee entstand in der Wüste, das Gymnasium Carolinum machte den Anfang: Unter dem Motto „Osnabrücker Schulen bewegen was“ veranstalten die Schulen corona-konforme Sponsorenläufe. Einerseits, um das unter den Corona-Einschränkungen etwas in den Hintergrund getretene Zusammengehörigkeitsgefühl der Schüler untereinander zu stärken, andererseits, um die besonders unter der Pandemie leidenden Partnerschulen zu unterstützen.

Chaos in Indien, coronabedingt

Alleine Schüler und Lehrer des Gymnasiums „In der Wüste“ erliefen zusammen 18.127,20 Euro. Sie kommen der von der Indienhilfe Deutschland (IHD) vermittelten Partnerschule Father Agnel School im indischen Bhopal zugute.

Der IHD-Vorsitzende Jürgen Fluhr berichtete nun von dem für unsere Maßstäbe unvorstellbaren Chaos, das Corona im Hotspot Indien angerichtet hat. Der verhängte Lockdown war so rigoros, dass Polizeitrupps in die Schulen des katholischen Pilar-Ordens in Bhopal stürmten und alle Kinder davonjagten. Sie sollten zurück in ihre Elternhäuser gehen.

„Doch viele von ihnen sind Waisenkinder, sie haben kein Elternhaus“, sagte Fluhr, „andere haben Angehörige in Slums, die 700 Kilometer weit entfernt liegen. Aber das hat die Behörden nicht interessiert“. Der Ordensprior Pater Franklin habe 20 bis 30 Kinder vor der Polizei versteckt, weil er sich sicher war, dass sie sonst nicht überleben würden.

Aber noch schlimmer als Corona sei die Hungersnot, die jetzt in Indien grassiere. Was der schlimme Wirbelsturm „Amphan“ von der Ernte übrig gelassen hatte, durfte wegen der Ausgangssperre nicht eingebracht werden. Einige Bauern hätten nachts heimlich geerntet, wenn keine Polizeipatrouille zu erwarten war. Bis zu 50 Prozent der üblichen Mengen seien aber verrottet.

Privatschulen stehen vor dem Nichts

Im September soll der Schulbetrieb wieder anlaufen, aber der Pilar-Orden als Schulträger weiß nicht, wo er die Mittel für die tägliche Schulspeisung, die Bezahlung der Lehrer und die Neuorganisation des Unterrichts hernehmen soll. Denn die bisherigen Spendenkanäle sind versiegt.

„Umso wichtiger ist es, dass wir jetzt zu unserer Partnerschule stehen“, sagte Schulleiter Nils Fischer. „Für unsere Schüler waren die Nachrichten aus Indien eine starke Motivation, sich beim Einwerben von Spenden und beim Laufen besonders ins Zeug zu legen“, ergänzte die stellvertretende Schulleiterin Monika Wipperfürth, die zugleich Mitglied im Beirat der IHD ist.

Den mit der Durchführung des Spendenlaufs betrauten Lehrerinnen Rebecca Scetaric (Fachgruppe Religion) und Nele Keller (Fachgruppe Sport) gelang es, innerhalb kürzester Zeit den organisatorischen Rahmen aufzubauen.

Schule läuft 3527,32 Kilometer

Da ein zeitgleiches Laufen der Schüler in diesen Zeiten nicht möglich ist, starteten die Schüler in der Homeschooling-Phase vor den Sommerferien zu individuellen Läufen. Jeder durfte seinen weitesten Lauf bei seinem Sportlehrer per Screenshot einreichen. Eine App belegte die erbrachte Laufleistung. Die so erlaufenen Kilometer wurden von den Sportlehrern addiert – auch, um den Jahrgangssieger, den Schulsieger und die laufstärkste Klasse zu ermitteln, vor allem aber für ein Gesamtergebnis.

Rund 90 Prozent der Schüler und Lehrer nahmen demnach teil und legten zusammen 3527,32 Kilometer zurück. Die von allen Läufern gesuchten Sponsoren – etwa unter Eltern, Nachbarn und Firmen – hatten sich bereiterklärt, für jeden gelaufenen Kilometer einen gewissen Betrag an die IHD zu spenden. So kam die stolze Summe von 18.127,20 Euro zusammen, die jetzt Jürgen Fluhr treuhänderisch für die Partnerschule entgegennahm.

Der virtuelle „Staffelstab“ der Spendenlaufreihe, den das Gymnasium "In der Wüste" vom Carolinum entgegennahm, wird an die Angelaschule weitergereicht. Sie wird für ihre Partnerschule in Peru laufen.

Text und Foto: Joachim Dierks

Quelle: https://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/2122141/gymnasium-in-der-wueste-sponsorenlauf-indienhilfe-deutschland-juergen-fluhr