„Was hat das Attentat vom 20. Juli 1944 mit heute zu tun?“ – so lautete die zentrale Frage, die der Enkel des Hitlerattentäters Claus von Stauffenberg mit Schülerinnen und Schülern des Jahrgangs 10 und einem Kurs aus dem Jahrgang 12 am heutigen Tag diskutierte. Geschichte, Gegenwart und Zukunft verband der Referent in seinem spannenden Vortrag und löste damit, wie nicht anders zu erwarten war, eine lebhafte Diskussion aus, die sicherlich im Unterricht noch ihre Fortsetzung findet.

Sein Großvater habe das wilhelminische Kaiserreich, den Ersten Weltkrieg, die gescheiterte Weimarer Republik, die Folgen des Versailler Vertrages, die Weltwirtschaftskrise 1929 und die Machtübernahme durch die NSDAP miterlebt. Dies müsse man bedenken, wenn man ein Urteil über ihn fälle. Jeder Mensch sei von seiner Zeit und Gesellschaft geprägt.

Er selber wolle seinen Großvater nicht glorifizieren, aber es sei auch nicht hinnehmbar, dass er von Rechts und / oder Links instrumentalisiert werde. Claus von Stauffenberg und die anderen aus dem „militärischen Widerstand“ hätten Anerkennung verdient und sie sollten ein Vorbild für die heutige Jugend sein. Nicht, weil sie Helden seien, sondern weil sie Verantwortung übernommen hätten.

Auch heute habe jeder Einzelne die Verantwortung dafür zu sorgen, dass in der Bundesrepublik nicht wieder ein totalitäres Regime entstehe. Diese Verantwortung könne man nicht auf Eltern, Lehrer oder „den Staat“ abschieben. Es sei kein Naturgesetz, dass wir 70 Jahre in Frieden und Freiheit lebten, dessen solle sich jeder bewusst sein. Politikverdrossenheit könne sich nur ein Eremit leisten.

Deshalb begrüße er auch das politische Engagement der heutigen Jugend, wie es sich z. B. in der Bewegung „Fridays for future“ zeige. Dennoch sollten sich die Schülerinnen und Schüler im Klaren sein, dass es auf gesellschaftliche Fragen nie einfache Antworten gebe. Parteien oder Gruppen, die dies propagierten, wollten nur zum politischen Unfrieden beitragen. Es sei wichtig, dass die Jugend nicht nur für das Klima demonstriere in Zeiten, in denen totalitäre Parteien wieder Wahlen gewinnen würden.

Gefördert wurde der Vortrag dankenswerterweise durch die Friedrich-Naumann-Stiftung.

Monika Wipperfürth