Nachdem Nuria Brockfeld in diesem Jahr bereits Silber bei der Jugend-WM in Italien in der Kategorie „Lead-Speed“ gewonnen hatte, freut sich das Gymnasium „In der Wüste“ Nuria in dieser Woche zum Gewinn der Europameisterschaft gratulieren zu können. Als aktuelle deutsche Jugendrekordhalterin beendete Nuria die Saison mit einem fulminanten Finish, in dem sie sich im Finale mit nur einer Zehntelsekunde Vorsprung gegen die Französin Manon Lebon durchsetzte. Die Schule und besonders ihre Klasse freuen sich über Nurias Erfolg. Die Frage, ob sie sich im Artikel auf der Homepage noch bei jemandem bedanken wolle, beantwortete sie unter dem strengen Blick ihrer 26 Mitschüler mit: „Ich möchte der Klasse 10e danken.“

Für die nächste Saison wünschen wir Nuria alles Gute!

René Fischer

Bericht der NOZ dazu (gekürzt):

Osnabrück. Wie eine Spinne hangelt sich Nuria Brockfeld die Wand hinauf. Ihre Bewegungen sind fließend. Nicht ein einziges Mal hält die Osnabrückerin auf der 15 Meter langen Strecke inne, um einen Griff zu suchen. Die Griffabfolge hat sie sich längst eingeprägt. 8,9 Sekunden später ist es geschafft: Sie ist Europameisterin im Speedklettern. Bei den European Youth Championchips 2019 in der russischen Stadt Woronesch hat sich Nuria Brockfeld aus Osnabrück die Goldmedaille im Speedklettern geangelt. Die 15-Jährige übertrumpfte in der U-16-Konkurrenz relativ unerwartet die Titelfavoritinnen aus Frankreich und Italien.

Dabei habe sie "zum Anfang des Jahres nicht einmal gedacht, dass ich das schaffen kann." Zu verdanken habe sie den Erfolg besonders ihrem Osnabrücker Trainer Marcel Barteldrees. Auch für ihn kommen Nurias Erfolge überraschend. Er hat aber auch eine Erklärung dafür parat. "Sie hat einfach das Talent, aber auch den Willen, sich zu quälen und an die Grenze zu gehen. Das haben nicht mehr viele", erklärt der Trainer und ergänzt: "Sie stellt keine Fragen, sondern macht einfach und vertraut darauf, dass die Übungen ihr weiterhelfen. Daher sei es für ihn auch nur eine Frage der Zeit gewesen, "wann so ein Titel kommt".

Besonderes Training

Überraschend sei der Triumph für ihn, weil "unsere Bedingungen eigentlich die schlechtesten im Vergleich mit den anderen sind", sagt Barteldrees. Dies liege daran, dass in der Boulder-Halle in Osnabrück, in der Nuria bislang trainierte, keine Speedwand installiert ist. Außerdem sei es erst die erste wirkliche internationale Saison für Nuria gewesen. Dass es dann direkt für den Europameister-Titel geklappt habe, sei "schon eine große Nummer." Zur neuen Saison verbessern sich aber die Bedingungen, denn dann stehe in Bielefeld eine Halle mit Speedwand zur Verfügung. Nurias Erfolge sieht Barteldrees auch im besonderen Training begründet. "Wir trainieren eigentlich relativ wenig und kletter-untypisch", meint der Trainer. In der nun anstehenden Winter-Vorbereitung stehe beispielsweise wieder viel Krafttraining auf dem Programm, was Nurias Schnellkraft zugute komme. Ansonsten sei das Training mehr regenerativ. Von den anderen Athleten werde das mitunter lächelnd beäugt.

Ziel Olympia

Doch die Erfolge sprechen ihre eigene Sprache und machen Hoffnung auf noch Größeres. "Mein Ziel ist Olympia. Ich will unbedingt nach Paris", betont die 15-Jährige. Dort findet das größte Sportereignis der Welt im Sommer 2024 statt. 2020 in Tokio ist Klettern das erste Mal olympisch – allerdings als Mix aus den Kletterdisziplinen Lead, Bouldern und Speed. Aktuell ist Nuria fester Bestandteil des Nationalkaders in ihrer Altersklasse. Dieser komme zu etwa sieben Lehrgängen im Jahr zusammen – entweder für eine ganze Woche oder ein Wochenende. Nuria bezeichnet dieses Extra-Training mit den besten Kletterern Deutschlands als wertvolle Erfahrung. "Das pusht nochmal richtig, mit denen zu trainieren", betont sie. Um sich weiterzuentwickeln hofft Nuria zudem, bereits im kommenden Jahr im Worldcup der Damen-Konkurrenz antreten zu können, obwohl sie noch in der Jugend an den Start gehen könnte.

Favoritinnen ausgeschaltet

Dort würde Nuria dann mutmaßlich nicht so souverän durchmarschieren, wie bei der Junioren-EM. Nach zwei Versuchen in der Vorrunde buchte sie im russischen Woronesch mit 9,9 Sekunden sicher das Ticket fürs Viertelfinale – der Weltrekord der Damen liegt bei 6,99 Sekunden. Als Fünfte musste Nuria gegen die Starterin mit der viertbesten Zeit ran – eine Titelfavoritin aus Italien. Die hatte vorher fast alle Europacups gewonnen", berichtet Nuria. Zum Vergleich: Die Osnabrückerin wurde bei den Europacups in Polen, Italien und Österreich Dritte, Vierte und Achte. Die 15-Jährige wusste aber um ihre Stärke:

"Ich bin cool geblieben, weil ich wusste, dass ich sie schlagen kann. Bei der WM habe ich auch schon mal gegen sie gewonnen."

Im Halbfinale profitierte Nuria dann von einem Ausrutscher ihrer Gegnerin – das Finale war perfekt. Dort wartete eine weitere Favoritin aus Frankreich. In einem Kopf-an-Kopf-Rennen hatte Nuria am Ende einen hauchdünnen Vorsprung. Nur zwei Zehntelsekunden lag sie vorne. Auf der Uhr standen 8,9 Sekunden, nur eine Zehntelsekunde langsamer als ihre Saisonbestleistung. Damit steigerte sie sich im Vergleich zur Vorrunde um eine ganze Sekunde – im Speedklettern eine Welt – und sicherte sich ihren ersten großen internationalen Titel, nachdem sie im Mai 2019 schon Deutsche Meisterin wurde und bei der WM im August die Silbermedaille holte.

Text: Konstantin Stumpe

Fotos: Leo Zhukov

Quelle (Noz+): https://www.noz.de/sport/os-sport/artikel/1916052/osnabrueckerin-holt-dank-kletter-untypischem-training-den-em-titel

Video vom Finallauf: https://www.facebook.com/watch/?v=520040595219348 (Achtung! Externer Facebooklink!)

Informationen zum Gewinn der Silbermedaille bei der Jugend-WM: https://gidw.de/aktuelles/56-2019/september/522-nuria-brockfeld-gewinnt-silbermedaille-bei-jugend-wm

Weitere Informationen: https://kletterszene.com/news/gold-fuer-nuria-brockfeld/